Eine persönliches Interview im Amerikanischen Konsulat
zur Beantragung des Visa, der Auszug aus meiner WG, das akribische Packen
meiner Koffer und acht Stunden Flug lagen hinter mir, als ich Ende August am
New Yorker JFK-Flughafen ankam. Doch es sollte noch weitere drei Stunden
dauern, bis ich mein Ziel, die State University of New York (SUNY), erreichte.
Teil
I: STUDY -
Die SUNY ist etwa 60 Meilen von New York City entfernt. Es
war bereits Abend, als ich in New Paltz ankam – in Deutschland war es
dementsprechend schon weit nach Mitternacht. Jetlag, Ein- und Umgewöhnung begleiteten
mich durch meine erste Woche in den Staaten. Gemeinsam mit dem Dekan der
Business School stellte ich meinen Vorlesungsplan zusammen: Businesskurse, diverse
PR-Kurse, Politikkurs. Auch widmete ich die ersten Tage der Erkundung der Institute,
Wohnheime, des Gesundheitscenters, Sportplätze und –studios, der Mensa und dem Tante-Emma-Laden.
Besonders viel Gefallen habe ich am ‚SUNY-Fan-Shop’ gefunden, der dem
passionierten SUNY-Studenten jegliche nützlichen und weniger nützlichen Dinge
mit Universitäts-Logo anbietet. Branding in höchster Vollendung!
Die Erforschung des Ortes war innerhalb kürzester Zeit
abgehandelt, da New Paltz lediglich aus einer Hauptstraße mit Shops und Bars
und einigen Nebensträßchen besteht. Die Straßen sind von den typisch
amerikanisch freistehenden Einfamilienhäusern mit Veranda gesäumt.
Das Studium in einem stark verschulten Lehrsystem war
gewöhnungsbedürftig, doch es folgt stets klaren Regeln. So ist auch die
Anwesenheit in der Vorlesung neben der aktiven Teilnahme, einer Präsentation,
den regelmäßig einzureichenden ‚Assignments’ und der Midterm- und
Endterm-Klausur ein wichtiger Faktor bei der Vergabe der Endnote.
Teil II: WORK - Publicis Dialog in

Die Monate in New York standen im direkten Kontrast zu
den vorhergegangenen Wochen. Statt mit 19-jährigen Studentinnen wohnte ich nun in
einem internationalen Wohnheim für junge Berufstätige, ich tauschte meinen Schreibtisch
gegen einen Arbeitsplatz bei Publicis - einer der weltweit größten
Werbeagenturen - und wenn ich jetzt aus der Haustür trat, so lag eine der
aufregendsten Metropolen der Welt vor mir. Eine Stadt, die niemals schläft, in
der man alles sein kann und es keinen interessiert, in der sich für jede noch
so ausgefallene Aktivität ein Ort und Mitpraktizierende finden lassen – New
York ist atemberaubend und aufregend.
Doch ein Aspekt der amerikanischen Kultur blieb mir bis
zum Ende fremd: die Kunst des Networkings, des ‚Socializing’. Ich erinnere mich
noch an die seltsame Aufforderung einer Professorin, auf einer SUNY-Veranstaltung
möglichst viele Visitenkarten zu sammeln. ‚Nun übertreib mal nicht’, dachte ich
damals. Nach einem Event der Agentur realisierte ich allerdings, dass dies
bitterer Ernst war. Eine ungeschriebene Regel in Amerika lautet: ‚Rede auf
öffentlichen Veranstaltungen niemals länger als 10 Minuten mit einer Person,
aber mit so vielen wie möglich’.
Das Work – Study Program hat nicht nur dazu beigetragen,
meine Englisch- und Fachkenntnisse zu verbessern, es hat mir auch ermöglicht, eine
der wichtigsten Wirtschaftsnationen der Welt ein wenig besser kennen zu lernen.
Ich danke Barbara Vogt-Seeliger (Inwent gGmbH), Beth
Vargas und Mario Varuzza (SUNY), Kevin Carlesimo, Jami Kelmenson und Elke
Dehner (Publicis Dialog), Renate Schulte und Helga Schneider für ihre
Unterstützung.
Essen im Januar 2005