Die meisten Leute, denen ich erzählte, dass ich mein Praktikum in der
Slowakei absolvieren werde konnten dieses doch recht kleine Land (ca. 5,5 Mio.
Einwohner) auf Anhieb nicht einordnen oder verwechselten es mit dem recht
ähnlich klingenden Slowenien. Aus diesem Grund hier eine kleine geographische
Hilfe:
Die Slowakei grenzt im Westen an Österreich bzw. die Tschechei, im Osten an
die Ukraine, im Norden an Polen und im Süden an Ungarn. Die Hauptstadt und gleichzeitig
größte Stadt mit ca. 500.000 Einwohnern ist Bratislava (Pressburg). Sie
befindet sich am süd-westlichen Ende der Slowakischen Republik in unmittelbarer
Nähe zur Slowakisch-Österreichischen Grenze.
Zwischen
Bratislava und Wien liegen nur 60km bzw. 1 Stunde Zugfahrt, sodass jederzeit
ein Abstecher in die Hauptstadt unseres Nachbarlandes möglich ist. Da
Bratislava selber jedoch auch einiges zu bieten hat habe ich diese Möglichkeit
nur für Arztbesuche und meine Heimfahrten genutzt. Aus dem Köln/Bonner Raum
erreicht man Bratislava am einfachsten und am billigsten über den Wiener
Flughafen mittels der Billig-Airline Germanwings. Es verkehrt regelmäßig ein Shuttlebus zwischen
dem Flughafen und Bratislava. Von einer Anreise mit dem Auto kann ich nur
abraten, da Autos mit deutschem Nummernschild in Bratislava recht gerne
aufgebrochen oder entwendet werden. Diese Erfahrung haben zumindest einige
andere Praktikanten gemacht. Außerdem ist das Netz an öffentlichen
Verkehrsmitteln sehr gut ausgebaut. Ein 3-Monats-Ticket kostet umgerechnet 45€
und eine Taxifahrt kostet auch nicht die Welt.

Ich absolviere mein Praktikum in der Abteilung Logistikplanung bei der Firma Volkswagen Slowakia, a.s.. Ich denke über Volkswagen brauch ich nicht viele Worte verlieren. Das Werk in der Slowakei ist mit ca. 9000 Arbeitnehmern einer der größten Produktionsstandorte außerhalb Deutschlands. Hier wird unter anderem der Touareg, der Polo, die Karosserie des Cayenne und ab 2005 der Audi Q7 gefertigt.
Die Kollegen sind hier zum größten Teil sehr
nett und auch immer bereit zu helfen wenn es Probleme gibt. In den
administrativen Abteilungen des Werks wird zumeist Deutsch gesprochen da die
höheren Positionen oft mit Deutschen besetzt sind.
Ich arbeite größtenteils an der logistischen
Vorbereitung für den Audi Q7 und helfe bei der Berechnung des Transport- und
Lagervolumens.
Im Werk arbeiten zumeist noch weitere
Praktikanten, sodass man schnell Kontakt findet und zusammen was unternehmen
kann.
Die Firma Volkswagen bringt ihre Studenten im Studentenwohnheim „Druzba“ unter. Je nach Glück wohnt man alleine oder zu
zweit und zahlt pro Monat cirka 120 Euro (egal wie viele Personen im Raum
wohnen). Die Unterkunft ist zunächst sehr gewöhnungsbedürftig da für deutsche
Verhältnisse alles sehr runtergekommen ist. Mit einiger Eigeninitiative und
unter Mithilfe von Volkswagen wäre es aber durchaus möglich gewesen eine
bessere aber auch teurere Wohnung zu finden. Das Wohnheim bietet Platz für
ungefähr 1.000 Studenten, gilt aber damit noch als kleines Wohnheim verglichen
mit einer „Studentenstadt“ ungefähr 15min zu Fuß entfernt, wo 15.000 Studenten
wohnen. In der Unterkunft lernt man schnell viele Studenten (vor allem
Erasmus-Studenten aus Spanien, Frankreich, u.s.w.) kennen, so dass keine
Langeweile aufkommt. Vom Wohnheim aus hat man auch eine gute Anbindung mit
öffentlichen Verkehrsmitteln zur Innenstadt und zum Volkswagen-Werk.
In Bratislava hat man ein breites Freizeitangebot über Kultur, Sport, Kino, Oper, Theater etc. Alles ist sehr preiswert, für Slowaken aber trotzdem eher teuer. Ein Opern-Besuch im sehr schönen Nationaltheater kostet umgerechnet nur 6€ und auch die Kinopreise sind mit maximal 3,50€ gering.
Abb. Nationaltheater Abb.
Typische Altstadtgasse
Wenn man einen Ausflug ins benachbarte Wien oder ins 200km entfernte Budapest unternimmt sollte man seine Zugtickets für Hin- und Rückfahrt (nach Wien und zurück: 8€) immer in Bratislava kaufen, da man so einiges sparen kann.
Bratislava ist eine sehr junge und lebendige Stadt. Man kann abends sehr gut ausgehen und in den zahlreichen Discos und Kneipen wird jeglicher musikalischer Geschmack abgedeckt. Auch die Getränke und Essenspreise sind sehr gering, gerade in den von Studenten gut besuchten Kneipen wie z.B. den „Slovak Pub“. In der, vor allem im Sommer, sehr schönen Altstadt sind die Preise für slowakische Verhältnisse eher hoch, da sie von Touristen überfüllt ist. Im allgemeinen sind alle Slowaken sehr freundlich und aufgeschlossen und freuen sich, wenn man versucht wenigstens ein paar Worte Slowakisch zu sprechen. Die Slowakische Sprache ist sehr schwierig, man kommt aber mit Deutsch und Englisch sehr gut zurecht. Oft ist es jedoch sinnvoll Sprachkenntnisse zu haben oder mit jemand unterwegs zu sein der slowakisch kann. Insbesondere bei Taxifahrten aber auch in Discos bezahlt man häufig Touristenpreise wenn man als Ausländer erkannt wird.
Generell kann ich jedoch nur Positives von meinem Aufenthalt in der Slowakei berichten und bereue die Entscheidung diesen Schritt gewagt zu haben keineswegs.
An dieser Stelle will ich noch mal ganz herzlich dem Team Sprachen/Internationales, für die hilfreiche Unterstützung bei der Beantragung eines Stipendiums und meiner Bewerbung bedanken. Dadurch wurde mir die Entscheidung mein Praxissemester im Ausland zu absolvieren nochmals vereinfacht.
Bei weiteren Fragen könnt ihr euch gerne an mich wenden:
E-Mail bis Januar 2005: sebastian.baer@volkswagen.sk
E-Mail ab Januar 2005: sbaer@rheinahrcampus.de