St. Edwards University Austin/Texas
Ein Semester im Ausland und dann auch
noch in den USA an der St. Edwards University in Austin/Texas. Ein Traum und
doch so einfach zu verwirklichen. Damit es nicht am Geld scheitert, sollte man
sich allerdings schon eine Weile vorher anfangen Gedanken zu machen, wie man
das Ganze finanzieren will. Ob Stipendium oder Auslands-BaföG - es ist immer
noch eine Menge Geld, das man selbst investieren muss. Wieviel? Das liegt an
jedem selbst, aber einige Dinge muss man auf jeden Fall einplanen. Um einen
kleinen Anhaltspunkt zu geben, habe ich in diesem Bericht mal versucht, die
wichtigsten Kostenfaktoren zu beleuchten.
Aber schon
mal vorweg genommen: Der Aufenthalt in Amerika war jeden einzelnen Cent wert
und ich würde es jederzeit wieder tun.
Die Frage
„Wie viel hast Du denn so ausgegeben
insgesamt für das Semester in Amerika?“ Diese Frage taucht garantiert in jedem
Gespräch auf, in dem es um den Auslandsaufenthalt an der St. Edwards University
in Texas geht. Und genau so garantiert ist jedes Mal wieder das lange Gesicht,
wenn eine Summe genannt wird. Dabei ist das gar nicht so schlimm, wenn man sich
mal vor Augen führt, in welchem Zeitraum und vor allem wofür man so viel Geld
ausgegeben hat. Vier Monate Spaß, Erfahrungen, neue Freunde, eine fremde Kultur
und Erinnerungen fürs ganze Leben. Es ist jeden Cent wert gewesen du jeder der
nach mir geht, kann sich meines Neides sicher sein.
Das Mindeste
Es gibt ein
paar Kosten, um die man auf keinen Fall herumkommt. Wohnen, Verpflegung und
Bücher und da kann man auch nicht wirklich viel beeinflussen.
Studien- und Einschreibegebühren
Hier gibt es
gleich schon mal ne gute Nachricht: Es fallen keinerlei Gebühren für Studium,
Einschreibung oder Orientation Week an. Lasst Euch nix anderes erzählen, weil
die Leute im Finanzial Office wissen manchmal selbst nicht so genau, was sie
berechnen dürfen und was nicht. Manchmal fallen zusätzlich Kosten für diverse
Kurse (Tauchen zum Beispiel) an, aber auch diese werden im Regelfall von dem Austauschprogramm
abgedeckt. Alles in allem werden einem so an die 8000 US-Dollar an
Studiengebühren erlassen.
Die Unterkunft
Eigentlich kommen Erstsemester
(Freshmen) und Austauschstudenten (Internationals) fast immer nach Premont Hall
bzw. Doyle Hall. Diese beiden Wohnheime (Dorms) stehen direkt beieinander und
sind nach dem Main Building so ziemlich das Älteste, was der Campus an Gebäuden
zu bieten hat. Nicht gerade luxuriös oder gar schön, so kann man es doch darin
aushalten (ehrlich gesagt, hatte ich mich nach zwei Tagen dran gewöhnt und
hätte es auch noch viel länger ausgehalten als vier Monate) und es sind die
preiswertesten Unterkünfte an der St. Eds. Bezieht man ein Zimmer mit einem
Mitbewohner (Roommate), so kostet es aktuell 1400 US Dollar pro Semester. Das
hört sich erst mal viel an, ist aber inkl. Strom, Putzfrau und Internet mit 350
US -
Dollar pro
Monat gar nicht so teuer. Ein WG Zimmer in Remagen kostet warm das gleiche und
von Bonn oder Koblenz ganz zu schweigen.
Die genauen
Kosten für Unterkünfte an der St. Eds findet ihr auf der Homepage
(www.stedwards.edu).
Verpflegung
Da Internationals wie Freshmen
eingestuft werden, müssen auch sie am Anfang des Semesters einen so genannten
Meal Plan kaufen. Der Meal Plan kann für die Mensa (Dining Hall) sowie das
Coffeehouse verwendet werden. Dining Hall und Coffeehouse sind von Montag bis
Sonntag geöffnet. Ein Meal Plan ist eine Art Vorauszahlung für die Verpflegung.
Der Studentenausweis (eine Plastikkarte) wird als Zahlungsmittel verwendet und
am Semesteranfang mit 1250 USD aufgeladen. Diese 1250 USD isst und trinkt man
dann über das Semester nach und nach runter. Keine Angst, dass das Geld nicht
alle wird. Wenn man sieben Tage die Woche zwei-, drei- oder viermal dm Tag da
essen oder trinken geht, schwindet das Geld schneller, als einem lieb ist. Mein
Meal Plan war nach drei Monaten leer...
Reisekosten
Dazu kann ich
nur eines raten: So frühzeitig wie möglich kümmern. Je zeitiger, desto billiger
die Flüge. Im Schnitt ist mit 800 bis 1000 Euro zu rechnen. Ich hatte das
Glück, dass sich die Mitarbeiter in meinem Reisebüro buchstäblich überschlagen
haben, um mir den günstigsten Flugpreis rauszusuchen. Also nicht locker lassen
und lieber bei mehreren Anbietern Angebote einholen, denn das kann durchaus
einen Unterschied von 100 bis 200 Euro machen.
Bücher
Also, wenn
man eines nicht vergleichen kann, so sind es die Preise für Bücher. Für jede
Vorlesung ist normalerweise auf jeden Fall ein bestimmtes gefordert und ist
meistens auch nicht billig. Zwischen 70 und 120 USD pro Buch ist leider
Realität. Wer frühzeitig zum Bookstore am Campus geht hat normalerweise Glück
und kann gebrauchte Exemplare erstehen, die dann um 25% billiger sind. Also
schnell sein... Auf jeden Fall sollte man so 300 USD für Bücher einplanen und
noch mal 20 USD für Blöcke und Hefter, es sei denn man hat die Sachen aus
Deutschland mitgeschleppt (nicht zu empfehlen).
Telefon und Co
Telefonieren
ist in den USA so eine Sache, da es keinen großen Anbieter gibt, wie in
Deutschland, sondern viele kleine. Jedes Zimmer an der St. Eds ist mit einem
Telefonanschluß ausgestattet, allerdings muss ein Telefon selbst besorgt
werden. Meistens haben die amerikanischen Roommates eins dabei, das man auch
mitbenutzen kann und ansonsten gibt es bei Walmart oder in jedem Supermarkt
Telefone ab 10 US-Dollar.
Das
Telefonieren selbst erfolgt über eine Art PrePaid-System, mittels
Telefonkarten, die man überall kaufen kann. Es gibt Karten von 5 bis 20 oder
mehr Dollar mit verschiedenen Tarifen für In- und Auslandsgespräche. Einfach
das Verkaufspersonal nerven, was das günstigste für ein Telefonat nach
Deutschland ist. Mit einer $10 Karte
kann man ca. 2- 3 Stunden Telefonieren, je nach Tageszeit und Anbieter.
Aber zum
Glück gibt es ja auch noch E-Mail und da die PC-Benutzung an der SEU kostenfrei
ist, können natürlich auch jede Menge E-Mails verschickt werden. Chatten über
ICQ oder AOL ist auch möglich und spart ne Menge Geld. Internetanschluss liegt
übrigens auf jedem Zimmer und ist natürlich auch kostenfrei nutzbar. Wer also
einen Laptop besitzt, tut gut daran, diesen mit auf die Reise zu nehmen.
Der Rest
Der Rest ist
ziemlich einfach. Naja, vielleicht doch nicht… Prinzipiell bestimmt ja jeder
selbst, wie viel er/sie noch an Geld ausgibt, aber wenn man was erleben will,
hat man wohl keine Wahl.
Nachtleben
Eintrittpreise in Clubs liegen in der
Regel bei 5 bis 10 US-Dollar. In einige Clubs kommt man in der Woche auch
umsonst rein. An verschiedenen Tagen gibt es Drinks für $ 1,00 oder Happy
Hours. Normale Preise für (geschmackstechnisch zweifelhaftes) amerikanisches
Bier in der 0,33 Liter Flasche liegen bei $ 2,00 bis $ 2,50. Longdrinks und
Cocktails sind für $ 4,00 bis $ 6,00 zu haben. Im Großen und Ganzen
unterscheiden sich die Preise für Ausgehen nur geringfügig von denen in
Deutschland.
Allerdings
gibt es auch viel zu Erleben und zu sehen. Speziell in Austin, das sehr liberal
und offen ist, trifft man eine Menge verrückter Leute und kann sehr viel Spaß
haben. Getrübt wird das Nachtleben lediglich von den regelmäßigen Prügeleien,
aus denen man sich besser heraushält. Die Polizei ist nicht zimperlich mit
Streithähnen und lässt diese schnell mal eine Nacht in der Zelle verbringen.
Leider ist in
Texas ab 1:00 Uhr morgens Schließstunde und die Bars verkaufen ab dann keinen
Alkohol mehr. Viele Clubs haben länger offen, aber dann ist auch nicht mehr
wirklich viel los. Die meisten Bars leeren sich nach der Schließstunde sehr
schnell und das Nachtleben geht auf Privatparties weiter.
Essen gehen
Essen ist leider
sehr teuer, es sei denn, man hat nichts gegen Fast-Food. Mc Donalds, Burger
King, Danny’s, Wendy’s, Karls Junior, Jack in the Box und wie sie alle heißen,
sind typische Burger-Restaurants und überall zu finden. Dazu kommen noch
diverse Pizza-Schnellrestaurants und amerikanische Diners, wie Fridays oder
XXX. Wer jedoch richtig schick (fancy) Essen gehen will, muss mit gesalzenen
Preisen rechnen. Zwischen 10 und 20 US-Dollar für ein normales Gericht sind
normal. Allerdings ist das nicht wirklich notwendig, denn Fast-Food ist nun mal
typisch amerikanisches Essen und man gewöhnt sich schnell daran.
Zu empfehlen
sind die in Texas weit verbreiteten mexikanischen Restaurants. Meist preiswert
und fast immer sehr lecker.
Shopping
Achtung!
Shoppingsüchtige und Fashion-Victims sollten nicht nach USA fliegen, es sei
denn, sie haben entsprechende Kontostände. Klamotten, Schuhe und Accessoires
sind in den Outlet-Centern und selbst in den normalen Einkaufszentren (Malls)
so billig, dass man gar nicht mehr aufhören will, einzukaufen. Vor allem die
großen amerikanischen Marken, wie Tommy Hilfiger, Ralph Lauren und so weiter,
sind wesentlich preiswerter zu haben als in Deutschland.
Bookstore
Der
campuseigene Bookstore ist zwar keine sehr große Einkaufsmöglichkeit, aber eine
verführerische. Hier gibt es alles was das Herz begehrt mit dem Logo von St.
Eds. Blöcke, Stifte, Ledermappen, Hosen, Shirts, Hemden, Jacken, Babysachen,
Mützen, Ringe, Uhren und was nicht alles. Das Problem an der Sache ist nur,
dass man sehr leicht von der amerikanischen Corporate Identity Denkweise
angesteckt wird und sich dann doch das eine oder andere kauft. So ziemlich
jeder Student hat T-Shirts und andere Sachen von St. Edwards.
Ich habe an Texas nur sehr positive
Erinnerungen. Nette Leute, nettes Land, verrückte Erlebnisse und was ich an
Geld ausgegeben habe, will ich ehrlich gesagt gar nicht genau wissen. Vieles
hätte nicht sein müssen, aber warum drauf verzichten?
Also kann ich
nur eines sagen: Nix wie hin und viel Spaß!
Martin
Leupold
(St. Edwards Student Aug. bis Dez. 2003)